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Prostatakrebs Behandlung Teil 2: Hormontherapie bei Prostatakrebs

Nov 23, 2021

Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern. Die Gefahr, die von dem Krebs ausgeht, ist stark abhängig von dem Stadium der Erkrankung. Zu Beginn ist die Erkrankung meist ungefährlich und verursacht nur wenig Beschwerden. In vielen Fällen kann in diesem Fall auf eine Behandlung verzichtet werden.

Bei Betroffenen, deren Tumor fortschreitet und rasch wächst, ist hingegen eine Therapie notwendig. Mit den bisher verfügbaren Behandlungsmethoden können jedoch nicht alle Betroffenen behandelt werden. Die Frage nach der besten Methode ist weiterhin ungeklärt.

Eine Behandlungsmöglichkeit für Prostatakrebs, die wir bereits in einem anderen Blog untersucht haben, ist die beidseitige Hodenentfernung. In diesem Blog wird eine weitere Behandlungsmethode namens Hormontherapie ausführlich behandelt.

Autor: Dieser Blog wurde ursprünglich geschrieben durch Magdalena Glawe, eine Ärztin mit einem Medizinstudium an der Charité in Berlin.

  • Erfahren Sie hier mehr über aktuelle klinische Studien auf unserer Seite zu Prostatakrebs-Studien hier.

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Bei der Hormontherapie bei Prostatakrebs wird die Wirkung verschiedener Hormone genutzt, um den Krebs zu bekämpfen.

Während das Hormon Testosteron bei einer gesunden Prostata eine wichtige Rolle bei der Bildung des Prostatasekrets spielt, regt es bei Prostatakrebs den Tumor zum Wachstum an. Deshalb kann Prostatakrebs durch den Entzug von Testosteron behandelt werden.

Das Ziel der Hormontherapie bei Prostatakrebs ist es, das Wachstum des Krebses zu stoppen. Die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten verfolgen dabei zwei unterschiedliche Ansätze.

Ein Behandlungsansatz verhindert die Bildung des Testosterons in den Hoden. Dazu nutzt man:

  • GnRH-Analoga

  • GnRH-Antagonisten

  • Gestagene

  • direkte Hemmer der Testosteronproduktion

  • operative Entfernung der Hoden (selten angewendet)

Ein weiterer Behandlungsansatz hat das Ziel, die Signalwirkung von Testosteron auf seine Zielzellen zu blockieren. Dazu verwendet man Androgenrezeptor-Antagonisten.

Wenn die Behandlung wirkt, kann das Tumorwachstum und eine Streuung der Krebszellen meist für einige Monate bis Jahre verhindert werden. Danach verlieren die Medikamente der Hormontherapie meist ihre Wirksamkeit, was als Kastrationsresistenz bezeichnet wird. Die Behandlung muss dann umgestellt werden.

Wenn die Behandlung wirkt, kann das Tumorwachstum und eine Streuung der Krebszellen meist für einige Monate bis Jahre verhindert werden.

  • Im Abschnitt “Wie wird eine Hormontherapie durchgeführt?” wird im Detail beschrieben, wie die einzelnen Wirkstoffgruppen auf den Hormonhaushalt wirken.

4.1.1 Kontinuierliche oder intermittierende Behandlung

Neben der Auswahl der Wirkstoffgruppe muss entschieden werden, ob die Hormontherapie durchgehend (kontinuierlich) oder mit Unterbrechungen (intermittierend) durchgeführt werden soll.

Bei einer durchgehenden Hormontherapie erhält der Patient das Medikament in regelmäßigen Abständen ohne Unterbrechung. Bei diesem Behandlungsschema tritt in den meisten Fällen nach circa zwei Jahren eine Kastrationsresistenz auf.

  • Im Gegensatz dazu wird die intermittierende Hormontherapie mit Unterbrechungen durchgeführt. Dabei legt der Arzt einen oberen Grenzwert für den Laborwert PSA fest. Die Hormontherapie wird zunächst so lange durchgeführt, bis der PSA-Wert unter diesen Grenzwert abgefallen ist. Sobald dieses Ziel erreicht wurde, wird die Behandlung pausiert.

Zur Kontrolle des Behandlungserfolges wird regelmäßig der PSA-Wert bestimmt. Nur wenn der Wert die Obergrenze erneut überschreitet, nimmt der Patient die Medikamente zum Hormonentzug weiter ein.

Die Unterbrechungen führen dazu, dass die Nebenwirkungen der Hormontherapieseltener auftreten und schwächer ausgeprägt sind. Außerdem gewöhnt sich der Körper langsamer an den jeweiligen Wirkstoff und die Kastrationsresistenz tritt später auf. Somit kann der Patient durch die intermittierende Hormontherapie oft länger erfolgreich behandelt werden und wird zusätzlich weniger durch die Nebenwirkungen der Medikamente belastet.

Der Patient kann durch die intermittierende Hormontherapie oft länger erfolgreich behandelt werden und wird zusätzlich weniger durch Nebenwirkungen belastet.

Die intermittierende Hormontherapie wird in der Regel nur Patienten empfohlen, deren PSA-Wert nach 7 Monaten Hormonbehandlung unter 4 ng/ml liegt. Bei Patienten, deren PSA-Wert nicht entsprechend abfällt, besteht in den Behandlungspausen ein erhöhtes Risiko für das Fortschreiten des Krebses.

PSA-Wert

PSA ist der wohl bekannteste Laborwert des Mannes. Es steht kurz für “prostataspezifisches Antigen” und ist ein Eiweiß. Das PSA macht die Samenflüssigkeit flüssiger. Um zu bestimmten, wieviel PSA die Prostata produziert, wird seine Konzentration im Blut gemessen. Da PSA nur in der Prostata gebildet wird, lässt die Messung des Wertes Rückschlüsse auf Veränderungen der Prostata zu. Für einen erhöhten PSA-Wert kann es verschiedene Ursachen geben, zum Beispiel eine Entzündung der Prostata (Prostatitis), eine gutartige altersbedingte Vergrößerung der Prostata (benigne Prostatahyperplasie), eine kurz zurückliegende Tastuntersuchung der Prostata (digital rektale Untersuchung) oder eine bösartige Neubildung (Tumor) bei Prostatakrebs. Ein erhöhter PSA-Wert allein bedeutet daher nicht, dass eine Krebserkrankung vorliegen muss.

  • Der normale PSA-Wert liegt unter 4 Nanogramm pro Milliliter. Eine Abklärung der Ursache wird heute schon ab einem PSA-Wert von 2,5 Nanogramm pro Milliliter empfohlen.

Der Erfolg einer Behandlungsmethode bei Prostatakrebs wird unter anderem anhand des Verlaufs des PSA-Wertes beurteilt: Er dient dabei als sogenannter Tumormarker, von dem aus auf die Aktivität des Prostatagewebes bzw. des Prostatatumors rückgeschlossen werden kann. Sinkt der erhöhte PSA-Wert, spricht dies für eine erfolgreiche Behandlung. Steigt der PSA-Wert weiter oder nach einem Abfall erneut an, ist die Behandlung nicht oder nicht mehr wirksam.

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4.1.2 Monotherapie oder maximale Androgenblockade

Neben der Möglichkeit, die Hormontherapie entweder kontinuierlich oder intermittierend durchzuführen, kann die Behandlung mit einer unterschiedlichen Anzahl von Wirkstoffen durchgeführt werden:

  • als Behandlung mit einem Wirkstoff (Monotherapie)

  • als Behandlung mit zwei antiandrogenen Wirkstoffen gleichzeitig (sogenannte maximale Androgenblockade (MAB))

  • Kombination aus drei Wirkstoffen (Tripletherapie)

Maximale Androgenblockade (MAB)

Androgene werden überwiegend, aber nicht nur im Hoden gebildet. Auch die Niere produziert bis zu 10% der männlichen Geschlechtshormone. Dieser Teil der Hormonbildung kann jedoch nicht durch Wirkstoffe beeinflusst werden, die über GnRH in die Hormonachse eingreifen. Um den Einfluss aller Androgene vollständig zu unterdrücken, werden zwei antiandrogene Therapien kombiniert: ein Wirkstoff, der die Bildung des Testosterons in den Hoden herabsetzt (bzw. die beidseitige Hodenentfernung) in Kombination mit einem Wirkstoff, der die Wirkung aller Androgene an ihrer Bindungsstelle herabsetzt und somit unabhängig vom Ort der Hormonproduktion wirkt:

  • GnRH-Analogon in Kombination mit Androgenrezeptor-Antagonist

  • beidseitige Hodenentfernung (chirurgische Kastration) plus Androgenrezeptor-Antagonist

Tripletherapie

Der Patient erhält als Standardbehandlung entweder eine Monotherapie oder die maximale Androgenblockade. Bei der Tripletherapie erhält der Patient eine relativ große Menge an Wirkstoffen, wodurch Nebenwirkungen häufiger und stärker auftreten. Daher ist der Einsatz dieser “dreifachen” Hormontherapie umstritten und wird aktuell in Studien untersucht.

4.1.3 GnRH-Analoga

  • Weitere verwendete Begriffe: GnRH-Agonisten, Gonadoliberin-Agonisten, LHRH-Analoga, LHRH-Agonisten

GnRH-Analoga sind Wirkstoffe, die wie das körpereigene Hormon GnRH wirken. Sie führen nach mehrwöchiger Behandlung zu einer verminderten Testosteronproduktion in den Hoden und verhindern damit ein weiteres Wachstum des Prostatakrebs. Zu Beginn der Behandlung tritt das sogenannte Flare up-Phänomen auf, das durch den zusätzlichen Einsatz von Androgenrezeptor-Antagonisten oder Gestagenen behandelt wird. GnRH-Analoga werden meist als Depot-Spritze verabreicht.

Was sind GNRH-Analoga?

  • GnRH-Analoga sind Wirkstoffe, die die Wirkung des körpereigenen Hormons GnRH imitieren.

Wie wirken GNRH-Analoga?

Testosteron regt den Prostatakrebs zum Wachstum an. Deshalb möchte man die Produktion des Hormons vermindern. Dazu greift man mit Medikamenten am Anfangspunkt der sogenannten Hormonachse ein, die von der GnRH-Ausschüttung im Hypothalamus bis zur Testosteronwirkung an den Prostatazellen reicht.

Dazu können GnRH-Analoga genutzt werden. Der gewünschte Effekt des Wirkstoffs auf die Testosteronproduktion tritt bei der Hormontherapie mit einem GnRH-Analogon jedoch nicht sofort ein. Vielmehr braucht der Körper eine gewisse Zeit, bis er sich an den Einfluss des Wirkstoffs gewöhnt hat und die gewünschte Veränderung im Hormonhaushalt stattfindet. In der Gewöhnungsphase kommt es zu einer Zunahme der Testosteronproduktion, was als Flare up-Phänomen bezeichnet wird.

In der Gewöhnungsphase kommt es zu einer Zunahme der Testosteronproduktion, was als Flare up-Phänomen bezeichnet wird.

Wirkungsweise von GnRH-Antagonisten

4.1.4 GnRH-Antagonisten

Weitere verwendete Begriffe: Gonadoliberin-Antagonisten, LHRH-Antagonisten

GnRH-Antagonisten sind Wirkstoffe, die wie das körpereigene Hormon GnRH aufgebaut sind. Sie können deshalb die Bindungsstellen für GnRH besetzen. Anders als das körpereigene GnRH bewirken die Antagonisten jedoch keine Testosteronproduktion in den Hoden. Dadurch wird die Menge an Testosteron im Körper stark herabgesetzt und ein weiteres Wachstum des Prostatakrebs verhindert. GnRH-Antagonisten werden als Spritze verabreicht.

Was sind GNRH-Antagonisten?

  • GnRH-Antagonisten sind Wirkstoffe, die die Wirkung des körpereigenen Hormons GnRH hemmen.

Wie wirken GNRH-Antagonisten?

Mit GnRH-Antagonisten greift man in die obere Schaltzentrale des Hormonhaushalts ein. Die Wirkung entfaltet sich durch eine Konkurrenz zwischen körpereigenem GnRH und dem GnRH-Antagonisten um die Bindungsstellen für GnRH auf den Zellen der Hirnanhangsdrüse. Dies geschieht auf folgende Weise:

  • GnRH-Antagonisten haben eine ähnliche Struktur wie das körpereigene GnRH. Sie passen nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip auf dessen Bindungsstellen. Gleichzeitig gibt es durch die künstliche Zufuhr von eines GnRH-Antagonisten mehr passende GnRH-ähnliche Bindungspartner als körpereigenes GnRH. Durch seine “zahlenmäßige Überlegenheit” verdrängt der GnRH-Antagonist das körpereigene GnRH von seinen Bindungsstellen auf den Zellen der Hirnanhangsdrüse.

Anders als das körpereigene GnRH bewirken GnRH-Antagonisten durch ihre Bindung in der Hirnanhangsdrüse keine Ausschüttung von LH und FSH. Dadurch erhalten die Zellen der Hoden nicht mehr das Signal, Testosteron zu produzieren. Damit wird die im Körper zirkulierende Menge an Testosteron vermindert und ein weiteres Wachstum des Prostatakrebs unterbunden.

4.2 Hormontherapie durch eine Operation

Die Hormontherapie durch eine Operation erfolgt, in dem das Testosteron-produzierende Gewebe aus beiden Hoden entfernt wird. Dieser Eingriff wird als bilaterale subkapsuläre Orchiektomie bezeichnet. Sie bewirkt sofort nach dem Eingriff eine starke Absenkung der Testosteronmenge im Körper und verhindert so ein weiteres Wachstum des Prostatakrebs. Diese Form der Hormontherapie kann nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Die Hormontherapie durch die Entfernung beider Hoden spielt heute in der Behandlung des Prostatakrebs nur noch eine untergeordnete Rolle. Seit einigen Jahren sind Medikamente verfügbar, deren Wirksamkeit teilweise gleichwertig zur chirurgischen Form der Hormontherapie ist. Die Folgeerscheinungen Hormonentzugs, zu denen auch die Unfruchtbarkeit gehört, können bei der chirurgischen Form der Hormontherapie nicht rückgängig gemacht werden. Der Eingriff stellt für viele Männer eine starke psychische Belastung dar.

5. Welche Vor- und Nachteile hat die Behandlung?

Die Vor- und Nachteile einer Hormontherapie ergeben sich vor allem aus dem Vergleich zwischen der medikamentösen und der chirurgischen Form der Hormontherapie. Die Vor- und Nachteile bezogen auf die einzelnen Wirkstoffgruppen sind stark von individuellen Faktoren abhängig, weshalb eine Darstellung in verallgemeinernder Form nicht sinnvoll ist.

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2. Wann wird eine Hormontherapie durchgeführt?

Eine Hormontherapie wird zur Behandlung des Prostatakrebs in verschiedenen Phasen der Erkrankung angewendet. Das Ziel ist es, dem Prostatakrebs das Hormon Testosteron als Wachstumssignal zu entziehen, um ein weiteres Wachstum und eine Streuung des Krebses in andere Organe zu verhindern. Alternative Behandlungsmöglichkeiten sind die Aktive Überwachung (Active Surveillance), die vollständige Prostataentfernung oder eine Bestrahlung.

Eine Hormontherapie bei Prostatakrebs ist grundsätzlich nur dann sinnvoll, wenn der Krebs durch den Einfluss von Testosteron wächst und die verfügbaren Medikamente dagegen wirksam sind. Die alleinige Hormontherapie kann den Krebs nicht heilen. Daher kommt sie bei Patienten zum Einsatz, deren Krebs lokal fortgeschritten oder metastasiert ist. Auch Patienten, die aufgrund weiterer Erkrankungen oder einer geringen Lebenserwartung eine möglicherweise heilende Behandlung wie die Bestrahlung oder Operation ablehnen, können eine alleinige Hormontherapie erhalten.

Kategorien des Prostatakrebs-Tumors

  • Lokalisiert: Der Krebs wächst innerhalb der Prostata und hat die umgebende Kapsel noch nicht durchbrochen.

  • Lokal fortgeschritten: Der Krebs hat die umgebende Kapsel durchbrochen, aber noch nicht auf andere Organe übergegriffen

  • Metastasiert: Der Krebs hat sich auf andere Organe ausgebreitet

3. Wann kommt die Hormontherapie nicht als Behandlungsoption in Frage?

Die Hormontherapie kommt als Behandlungsoption nicht mehr in Frage, wenn die Wirkstoffe der Hormontherapie ihre Wirksamkeit verloren haben. Dies tritt meist nach circa zwei Jahren ein, wenn der Prostatakrebs eine Kastrationsresistenz entwickelt hat.

Kastrationsresistenz

Kastrationsresistenz (früher Hormonresistenz oder “hormonrefraktär”) bedeutet, dass der Prostatakrebs in seinem Wachstum nicht mehr durch die Wirkstoffe der Hormontherapie oder eine chirurgische Kastration (beidseitige Hodenentfernung) beeinflusst werden kann. Er wächst trotz niedriger Testosteronwerte weiter. Dies erkennt man zum Beispiel an einem PSA-Wert, der nach einem Abfall während der Hormontherapie im weiteren Verlauf wieder ansteigt. Die Kastrationsresistenz tritt im Durchschnitt nach circa zwei Jahren der Hormontherapie auf, jedoch gibt es große individuelle Unterschiede.

  • Bis vor einigen Jahren gab es für Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakrebs nur die Möglichkeit, sich einer Chemotherapie zu unterziehen. Heute stehen jedoch Wirkstoffe wie zum Beispiel Abirateron zur Verfügung, die auch bei einem kastrationsresistenten Prostatakrebs wirksam sind.

4. Wie wird eine Hormontherapie durchgeführt?

Eine Hormontherapie kann entweder mit Medikamenten (medikamentöse Hormontherapie) oder durch eine Operation (chirurgische Form der Hormontherapie) erfolgen. Bei der chirurgischen Form der Hormontherapie werden beide Hoden entfernt, da in ihnen das Testosteron gebildet wird.

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4.1 Hormontherapie mit Medikamenten

Für die medikamentöse Hormontherapie stehen verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung, mit denen der Hormonhaushalt an verschiedenen Stellen beeinflusst werden kann. Die medikamentöse Hormontherapie kann durchgehend oder mit Unterbrechungen mit einem oder mit mehreren Wirkstoffen durchgeführt werden.

Eine medikamentöse Hormontherapie wird mit Medikamenten durchgeführt (zum Beispiel Tabletten oder Spritzen), die den Hormonhaushalt beeinflussen.

Je nachdem, an welchem Punkt des Hormonhaushalts eingegriffen werden soll, stehen fünf Wirkstoffgruppen zur Verfügung:

  • GnRH-Analoga: Sie imitieren die Wirkung des natürlichen Hormons GnRH. GnRH steht als Abkürzung für Gonadotropin-Releasing Hormone, übersetzt Gonadotropin-freisetzendes Hormon.

  • GnRH-Antagonisten: Sie verdrängen als “Konkurrent” das körpereigene GnRH von seiner Bindungsstelle auf den Zellen der Hirnanhangsdrüse.

  • Androgenrezeptor-Antagonisten: Sie besetzen die Bindungsstellen für männliche Geschlechtshormone (Androgenrezeptoren) auf deren Zielzellen, u.a. den Prostatakrebs-Zellen, sodass die Androgene nicht mehr wirken können.

  • Gestagene: Sie bewirken eine verminderte Testosteronproduktion.

  • Direkte Hemmer der Testosteronproduktion: Sie blockieren ein Eiweiß, das maßgeblich an der Testosteronprduktion beteiligt ist.

Hormonausschüttung im Körper

Die Steuerzentrale für die Hormonausschüttung im Körper befindet sich im Gehirn. In der Mitte des Gehirns befindet sich eine Struktur, die als Hypothalamus bezeichnet wird. Im Hypothalamus wird das Hormon GnRH gebildet.

  • GnRH ist die Abkürzung für Gonadotropin-Releasing Hormone, übersetzt Gonadotropin-freisetzendes Hormon. Es bewirkt eine Freisetzung der sogenannten Gonadotropine.

  • Gonadotropine sind Geschlechtshormone, die in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) gebildet werden. Es gibt zwei Gonadotropine: das FSH (Follikelstimulierendes Hormon) und das LH (luteinisierendes Hormon). FSH und LH wiederum wirken auf die sogenannten Keimdrüsen. Beim Mann sind das die Hoden.

Das FSH hat beim Mann die Funktion, bestimmte Zellen in den Hoden (Sertoli-Zellen) zur Bildung von Spermien anzuregen. Das LH hat die Funktion, bestimmte Zellen in den Hoden (Leydig-Zellen) zur Bildung von Testosteron anzuregen.

Der Hypothalamus misst ständig, in welcher Konzentration Geschlechtshormone im Blut vorkommen. Erhöhte Konzentrationen an Geschlechtshormonen wirken als Signal für die Hirnanhangsdrüse, auf ihren Zellen weniger Bindungsstellen für GnRH zur Verfügung zu stellen. Dadurch werden in der Hirnanhangsdrüse weniger FSH und LH und schließlich in den Keimdrüsen weniger Geschlechtshormone (Östrogene, Gestagene, Androgene) gebildet.

Zu geringe Mengen an Geschlechtshormonen wiederum wirken als Signal für die Hirnanhangsdrüse, mehr Bindungsstellen für GnRH zur Verfügung zu stellen. Dadurch werden in der Folge mehr FSH und LH und schließlich mehr Geschlechtshormone gebildet.

Diesen Regulationsmechanismus bezeichnet man als negative Feedback-Regulation, übersetzt negative Rückmeldungs-Regulation.

4.1.5 Androgenrezeptor-Antagonisten

Androgenrezeptor-Antagonisten sind Wirkstoffe, die wie die Geschlechtshormone Testosteron und DHT aufgebaut sind. Sie verdrängen diese Hormone von ihren Bindungsstellen auf den Zellen der Prostata. Dabei entfalten Androgenrezeptor-Antagonisten jedoch nicht die Signalwirkung der körpereigenen Hormone, die die Prostata zum Wachstum und zur Bildung von Prostatasekret anregen. Somit wird den Prostatazellen und dem Prostatakrebs das Signal zum Wachstum entzogen und ein Fortschreiten der Erkrankung verhindert. Androgenrezeptor-Antagonisten werden meist als Tablette eingenommen.

Was sind Androgenrezeptor-Antagonisten?

  • Androgenrezeptor-Antagonisten sind Wirkstoffe, die die Wirkung der männlichen Geschlechtshormone Testosteron und DHT blockieren.

Testosteron

  • Testosteron wird in den Hoden gebildet und in den Zielzellen der Prostata in seine aktivere Form umgewandelt. Diese aktivere Form heißt DHT, kurz für Dihydrotestosteron. DHT und Testosteron sind Geschlechtshormone, die die Prostata zum Wachstum und zur Bildung von Prostatasekret anregen. Testosteron und DHT wirken für den Prostatakrebs als Wachstumssignal.

WEITERLESEN

Wie wirken Androgenrezeptor-Antagonisten?

Mit Androgenrezeptor-Antagonisten greift man am Endpunkt der Hormonachse ein, die von der GnRH-Ausschüttung im Hypothalamus bis zur Testosteronwirkung an den Prostatazellen reicht. Die Wirkung der Androgenrezeptor-Antagonisten beruht darauf, dass der Wirkstoff mit den körpereigenen Hormonen Testosteron und DHT um deren Bindungsstellen auf den Zellen der Prostata und des Prostatatumors konkurriert. Im Folgenden wird dieser Wirkmechanismus genau beschrieben.

  • Androgenrezeptor-Antagonisten haben eine ähnliche Struktur wie das körpereigene Hormone Testosteron und DHT. Der Antagonist wird dem Körper künstlich zugeführt und liegt dann in größerer Menge vor als das körpereigene Testosteron und DHT.

Testosteron und DHT haben das Bestreben, an passende Bindungsstellen auf den Zellen der Prostata zu binden. Da sie dem Androgenrezeptor-Antagonisten jedoch “zahlenmäßig unterlegen” sind, werden sie von ihren Bindungsstellen verdrängt. Die Bindungsstellen werden stattdessen von dem Androgenrezeptor-Antagonisten besetzt. Anders als Testosteron und DHT regen Wirkstoffe dieser Gruppe die Prostata aber nicht zum Wachstum oder zur Bildung von Prostatasekret an. Somit wird auch verhindert, dass der Prostatakrebs weiter wächst.

Anders als Testosteron und DHT regen Androgenrezeptor-Antagonisten die Prostata nicht zum Wachstum oder zur Bildung von Prostatasekret an.

In der Gruppe der Androgenrezeptor-Antagonisten ist seit 2013 in Deutschland der Wirkstoff Enzalutamid (Xtandi®) zugelassen, der auch nach dem Eintritt einer Kastrationsresistenz wirksam ist. Enzalutamid wird unter anderem bei Patienten eingesetzt, deren Prostatakrebs kastrationsresistent ist und trotz einer Chemotherapie weiter wächst.

Wie werden Androgenrezeptor-Antagonisten angewendet?

Androgenrezeptor-Antagonisten werden täglich als Tablette eingenommen. Sie werden sowohl alleine als auch zusätzlich zu einem GnRH-Analogon eingesetzt, um dem Flare up-Phänomen vorzubeugen. Oder sie werden In Kombination mit GnRH-Antagonisten eingesetzt, um eine maximale Androgenblockade zu erreichen.

4.1.6 Gestagene

Gestagene sind weibliche Geschlechtshormone. Als Wirkstoff eingesetzt verdrängen sie im männlichen Körper das Testosteron von seinen Bindungsstellen, die sich unter anderem auf den Zellen der Prostata befinden. Die Gestagene übermitteln der Zelle im Gegensatz zum Testosteron jedoch kein Wachstumssignal. Somit kann das weitere Wachstum des Tumors und ein Fortschreiten der Erkrankung verhindert werden. Gestagene werden als Depot-Spritze verabreicht.

  • Gestagene sind “Schwangerschaftshormone” und haben folglich keine natürliche Funktion im männlichen Körper. Die Struktur der Gestagene erlaubt es ihnen aber, die Bindungsstelle für Testosteron zu besetzen, die sich unter anderem auf den Zellen der Prostata befindet. Anders als das Testosteron regen Gestagene den Prostatakrebs jedoch nicht zum Wachstum an.

  • Wenn ein Patient mit einem Gestagen behandelt wird, wirkt es im Körper als Konkurrent für das Testosteron und verdrängt es von seinen Bindungsstellen. Dem Prostatakrebs fehlt damit das Signal, weiter zu wachsen. Folglich kann durch die Behandlung mit Gestagenen ein Fortschreiten der Erkrankung verhindert werden.

Wenn ein Patient mit einem Gestagen behandelt wird, wirkt es im Körper als Konkurrent für das Testosteron und verdrängt es von seinen Bindungsstellen.

  • Gestagene werden als Depot-Spritze in den Muskel, meist in den Gesäßmuskel, verabreicht. Sie werden sowohl einzeln als auch zusätzlich zu einem GnRH-Analogon eingesetzt, um dem Flare up-Phänomen vorzubeugen.

Direkte Hemmer der Testosteronproduktion blockieren die Funktion des Cytochroms P 17, sodass das Testosteron in Form einer ‘unfertigen’ Vorstufe vorliegt.

4.1.7 Direkte Hemmer der Testosteronproduktion

Weitere verwendete Begriffe: Hemmer des Testosteron-Biosynthese, Androgen-Biosynthese-Inhibitor

Direkte Hemmer der Testosteronproduktion sind Wirkstoffe, die die Funktion eines Eiweißes behindern, das für die Produktion von Testosteron sehr wichtig ist. Die Wirkstoffe unterdrücken auf direktem Wege die Testosteronproduktion in den Hoden und die Umwandlung zum stärker wirksamen Hormon DHT in den Prostatazellen. Damit wird ein weiteres Wachstum des Prostatakrebs verhindert. Sie wirken auch dann noch, wenn der Krebs gegenüber anderen Wirkstoffe der Hormontherapie unempfindlich geworden ist (kastrationsresistent). Direkte Hemmer der Testosteronproduktion werden als Tablette eingenommen und immer in Kombination mit einem Kortison-Wirkstoff angewendet.

  • Direkte Hemmer der Testosteronproduktion sind Wirkstoffe, die die Aktivität eines Eiweißes herabsetzen, das maßgeblich an der Testosteronproduktion beteiligt ist.

Wie wirken Direkte Hemmer der Testosteronproduktion

  • Die Wirkung direkter Hemmer der Testosteronproduktion beruht darauf, dass ein wichtiger Schritt in der Testosteronproduktion blockiert wird. Im Einzelnen läuft dies folgendermaßen ab:

  • Testosteron wird in mehreren Schritten von verschiedenen Eiweißen hergestellt. Eines dieser Eiweiße ist das sogenannte Cytochrom P 17. Direkte Hemmer der Testosteronproduktion blockieren die Funktion des Cytochroms P 17, sodass das Testosteron in Form einer “unfertigen” Vorstufe vorliegt.

  • Diese Hormon-Vorstufe kann die Aufgaben des “fertigen” Testosteron nicht erfüllen. Damit liegt ein Mangel an Testosteron vor. Da das Wachstum des Prostatakrebs von Testosteron abhängig ist, führt man diesen Mangel durch die Behandlung mit direkten Hemmern der Testosteronproduktion bewusst herbei. So kann ein Fortschreiten der Erkrankung verhindert werden.

Direkte Hemmer der Testosteronproduktion werden beim kastrationsresistenten Prostatakarzinom immer in Kombination mit einem Kortison (Prednison oder Prednisolon) angewendet. Sie kommen zum Einsatz, wenn der Prostatakrebs metastasiert und kastrationsresistent ist und trotz einer laufenden oder nach einer abgeschlossenen Chemotherapie mit Docetaxel weiter wächst. In Deutschland ist seit 2011 ZYTIGA® mit dem Wirkstoff Abirateron als einziges Präparat dieser Wirkstoffgruppe zugelassen.

Quellen

  • Rübben H. Uroonkologie. 6. Aufl. Berlin, Heidelberg: Springer; 2014: 594-601, 614-616.

  • Retz M, Gschwend J. Medikamentöse Tumortherapie in der Uroonkologie. 2. Aufl. Berlin, Heidelberg: Springer; 2010: 8, 40-43.

  • Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): Konsultationsfassung: Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms, Lang-version 4.0, 2016 AWMF Registernummer: 043/022OL, http://leitlinienprogramm-onkologie.de/Prostatakarzinom.58.0.html (Zugriff am: 27.06.2017)

  • Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): Patientenfassung: Prostatakrebs I - Lokal begrenztes Prostatakarzinom: Ein evidenzbasierter Patientenratgeber zu S3-Leitlinie zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms, 2.Aufl. Berlin: 2015. http://leitlinienprogramm-onkologie.de/Prostatakrebs.71.0.html (Zugriff am 27.06.2017)

  • Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): Patientenfassung: Prostatakrebs II - Lokal fortgeschrittenes und metastasiertes Prostatakarzinom: Ein evidenzbasierter Patientenratgeber zu S3-Leitlinie zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms, 3.Aufl. Berlin: 2015. http://leitlinienprogramm-onkologie.de/Prostatakrebs.71.0.html (Zugriff am 27.06.2017)

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